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Segeltörn an der Algarve

Algarve-Törn

Wo keine Hotels stehen, ist die Küste traumhaft.

Segeltörn an der Algarve

Wo Neptun nur selten aufs Deck spuckt

Kompaßkurs 180 Grad, vier Knoten Fahrt, volle Besegelung. Der schwül-warme Wind kommt heute genau aus Südwest. Stärke zwei bis drei Beaufort. Die Sonne lacht. Mit dichtgeknallten Schoten geht's hinaus in den dunklen Atlantik, der unsere Hochseeyacht mit einem angenehm langen Seegang begrüßt. An Deck läßt es sich bei frühlingshaften Temperaturen sogar in T-Shirts aushalten. Dabei ist es schon Ende November. Die Algarve-Küste empfiehlt sich neben den Balearen als Ganzjahressegelrevier: angenehmes Klima, das Wasser behält lange seine Temperatur (bei unserem Törn lockt es mit 18 Grad zum Baden und Schnorcheln), meist leichte bis mäßige Winde. War Portugal bisher vor allem den Blauwasserseglern vorbehalten, die hier auf dem Weg vom Mittelmeer in die Karibik Station machen, gibt es seit wenigen Jahren in Vilamoura die Möglichkeit, Segel- und Motorboote zu chartern und damit ein noch unbekanntes Segelrevier zu erobern.

Aus dem Boden gestampft: Marina Vilamoura.


Ein relativ leichtes Segelrevier, hatte uns der deutsche Vercharterer versprochen. Meist seien die Anforderungen geringer als im (gar nicht so einfachen) Mittelmeer. Die vorherrschenden Winde, die selten fünf Beaufort überschreiten, kommen in der Regel aus Nord und Südwest und können kaum Seegang aufbauen.

Dicht unter Land, dort, wo es noch relativ flach ist, benimmt sich unsere gut ausgerüstete und neue Zehn-Meter-Yacht noch etwas hibbelig. Es wird schnell ruhiger, als wir tieferes Wasser erreichen. Das also ist der Atlantik. Welch eine Enttäuschung. Keine meterhohen Wellen mit Brechern, die grünes Wassser aufs Deck krachen lassen, kein Sturm, leider bald auch kein laues Lüftchen mehr. Wir werfen den Diesel an und motoren auf Westkurs die Küste entlang. Vilamoura, das erst vor wenigen Jahren aus dem Nichts gestampft wurde, verschwindet langsam mit seinen Hotelbauten am Horizont. In Portugal hat man gezielt auf Massentourismus gesetzt - und leider auch gleich die Fehler anderer Feriengegenden nachgebaut. Doch mit der Stadt ist auch der größte Sportboothafen der Südküste entstanden. Es ist (noch) einer der wenigen, die es bisher an diesem Küstenabschnitt gibt.

Streng bewacht: Marina Lagos.


Bootscharter war hier früher ein Fremdwort: Es gab kaum eine Infrastruktur mit Häfen und den nötigen Versorgungseinrichtungen. Das hat sich geändert. Neben Vilamoura sind inzwischen auch im romantischen Lagos und im geschäftigen Portimao neue Marinas entstanden.

Der Blick auf die Seekarte offenbart ein Segelrevier, das auch navigatorisch kaum Anprüche stellt: Die Küste ist frei von Untiefen. Einzig vor den kilometerlagen Thunfischnetzen, die von der Küste bis weit ins Meer reichen, sollte man sich hüten: Deren Stahldrähte bringen selbst die Schrauben kleinerer Küstenmotorschiffe in Bedrängnis. Doch die genaue Lage der Netze ist zum Beispiel auf den Aushängen in den Hafenbüros zu erfahren.

Lagos - ein Höhepunkt jedes Törns.



Vorbei an kilometerlangen und kaum belebten Sandstränden pflügt unser Boot eine breite Schaumbahn in die tiefblaue See. Der Wind hat zugenommen, die Segel sind wieder oben. Der auf einem hohen Felsen thronende Leuchtturm von Ponta do Altar weist uns auch am Tag den Weg. Schon taucht voraus die bizarre Felsenküste vor Lagos auf. Das beliebte Postkartenmotiv mit den vielen Grotten bleibt an Backbord. Wenig später ist die schmale Hafeneinfahrt von Lagos erreicht. Entlang der von Palmen gesäumten Uferpromende geht's durch den langen Kanal bis zur stählernen Fußgängerbrücke. Davor liegt das Hafenbüro. Zwangspause. Wieder die gleiche umständliche und zeitraubende Prozedur wie am Morgen in Vilamoura: Bei jedem Ein- und Auslaufen wollen Polizei, Hafenkapitän und Zoll hübsch nacheinander Formulare mit vielen Durchschlägen ausfüllen und Stempel in die Bootspapiere drücken.


Irgendwann ist auch das erledigt. Die Brücke öffnet sich nur für uns, Anruf über Funk auf Kanal 62 genügt. Die Marina Lagos wurde erst 1995 fertiggestellt und ist zurzeit die wohl am besten ausgestattete Einrichtung ihrer Art an der Algarve. Alles ist vom Feinsten, die Stege, die Versorgungseinrichtungen, die wirklich großzügigen sanitären Anlagen. Zu den Schiffen gelangt man nur per Chipkarte, die auch die Türen zu den sauberen Duschen öffnet. Auf den mit Stechuhren ausgerüsteteten Stegen patroulliert ein Wachdienst.

Lagos ist dabei, Gibraltar als der bislang letzten Verproviantierungsstation für Weltumsegler, die Richtung Karibik wollen, den Rang abzulaufen. Schon beim ersten Blick fallen die vielen hochgerüsteten "Arbeitstiere" unter den anderen, sauber blitzenden Segelschiffen auf: Das sind die sturmerprobten Yachten der Blauwassersegler, deren Skipper sich für den großen Schlag via Kanarische Inseln über den Atlantik vorbereiten.

"Bonne Chance" ruft die ergraute Yachteignerin aus Portsmouth den beiden Franzosen zu, die mit ihrem Katamaran aus dem Hafen tuckern. Drüben, auf dem Nachbarsteg, kullern munter die Tränchen: Frau und Kind bleiben zurück, während die Segler sich auf den langen Weg nach Madeira machen. Sie wollen in die Karibik. Dort wird die Familie, die per Flieger nachreist, in vier Wochen wieder am Steg stehen.

Lagos war zwei Jahrhunderte lang bis zum großen Erdbeben am 1. November 1755 die Hauptstadt der Algarve. Im 15. Jahrhundert ließ Prinz Heinrich der Seefahrer von hier aus seine schnellen Karavellen zu Eroberungsfahrten in See stechen. Zurück kamen sie unter anderem mit Menschenfracht aus Afrika: Lagos wurde zum einzigen Sklavenhandelsort Portugals. Das Erdbeben hat von der einstigen Pracht kaum etwas übriggelassen. Doch lohnt das Städtchen mit seinen vielen ganzjährig geöffneten Restaurants in schmalen Gassen auch einen längeren Aufenthalt. Ein Bootstour mit Besichtigung der Grotten am Kap gehört zum Pflichtprogramm. Auch wir wollen tags drauf dort vor Anker gehen, um zu schnorcheln. Doch wieder einmal bläst es aus Süd - diesmal sehr kräftig mit ziemlichem Seegang, der genau auf die Küste steht.

Malerischer Ankerplatz: Ferragudo.


Also wird der Kurs abgesteckt in Richtung Portimao. Der kurze Schlag ist schnell getan. Über den Flußlauf des Rio Arade erreichen wir bald die Stadt. Die nagelneue Marina liegt wenig einladend direkt an der Uferstraße. Wir fahren zurück und ankern vor dem malerischen Fischerdorf Ferragudo. Mit den Beiboot röhren wir mal kurz an Land, um Proviant zu bunkern. Die Nacht, die unter sternenklarem Himmel so wildromatisch begann, ist schnell vorbei: Die Fischereiflotte aus Portimao läuft aus. Die ruppigen Sardinenfänger scheinen sich einen Spaß daraus zu machen, ganz nah an den Ankerliegern vorbeizubrausen, um sie ein wenig durchzuschaukeln. Mit Erfolg. Kaum an Deck, kommt uns in dem hohen Wellenschlag, den die kräftigen Kutter aufwerfen, auch schon das Beiboot in Relingshöhe entgegen.

Albufera - das Mallorca Portugals.



Die nächste Nacht verbringen wir frei ankernd vor Albufeira, dem touristischen Zentrum der Algarve. Die an sich traumhafte Felsenküste ist auf breiter Front verschandelt mit weißen Hotelburgen. Kein Fleck, den man nicht zubetoniert hätte. Doch ist man erst mal an Land, sieht das gar nicht mehr so schlimm aus. Ein reges Treiben herrscht hier auch noch im November. Der Blick beim Abendessen geht über den kleinen Strand, an dem die Fischer ihre Boote an Land ziehen. Es ist längst finster, als wir am Strand das Beiboot klarmachen. Kaum quirlt der Außenborder, plötzlich ein Ruf: "Wahrschau!" Wie Poseidon mit dem Dreizack steht da eine pechschwarze Gestalt im Wasser, irgendeinen langen Gegenstand in der Hand und glotzt uns an. Wir glotzen auch, drehen im letzten Moment ab und düsen, tief Luft holend, zum Schiff. Mit dem Fernglas wird das Geheimnis gelüftet: Das war natürlich nicht Poseidon oder gar der Klabautermann, sondern ein Neopren-gewandeter Fischer, der mit dem Kescher den Boden absuchte. Im fahlen Schimmer der Uferpromenade entdecken wir eine lange Reihe von unzähligen Fischern, die, teils abenteuerlich angezogen, bis zum Hals im Wasser auf Nachtjagd gehen. Ein bizarres Bild.

Leider reicht die Zeit nicht, um auch die sehenswerten Lagunenstädte Faro und Olhao im Osten anzulaufen. Bei zweiwöchigen Törns ist problemlos Afrika erreichbar oder auch Gibraltar. Im Westen übers Kap Sao Vicente hinaus in Richtung Norden zu segeln, lohnt weniger: Meist bläst es dort aus Nord mit gleichzeitig mächtigem Seegang. Außerdem gibt es dort über viele Seemeilen hinweg bis fast nach Lissabon keine auch nur halbwegs sicheren Häfen oder Buchten.

Infos: www.visitportugal.com/


(c) Q-Visions Media Andrea Quaß