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Regatta-Training auf der "lot.jonn"

Die ersten Schläge auf einer neuen Regatta-Yacht

"lot.jonn" hart am Wind.


Auf Erfolgskurs

HINDELOOPEN. Neues Schiff, neue Crew, neues Projekt: Dirk Neukirchen (38), erfolgreicher Hochseesegler, hat für seine "lot.jonn..." mehrere Sponsoren an Bord geholt. Auf dem Ijsselmeer in Holland wird bereits intensiv trainiert. Das Team besteht aus handverlesenen Profis aus der internationalen Regattaszene: Darunter Gerd Eiermann, einer der erfolgreichsten deutschen Segler, und Krystoph Paschke, der als Navigator schon Admirals-Cupper wie "Saudade" und "Container" zum Sieg gelotst hat. Insider sehen die elfköpfige "lot.jonn..."-Crew schon jetzt auf zahlreichen Siegertreppchen stehen. sailpress war 2001 bei den ersten "Schlägen" dabei.

Klar zum Sieg auf der ,,lot.jonn..."


Wind: zwei bis drei Beaufort, Temperatur: wenige Grad über Null. Wie Blei liegt das graue Ijsselmeer unter einer dichten Wolkendecke - kein Wetter zum Segeln. Nur eine weiße Yacht pflügt vor Hindeloopen einsam eine breite Schaumbahn in die See, macht trotz Schwachwind erstaunlich schnelle Fahrt. An Deck ist von der vielbeschworenen Segler-Romantik nichts zu spüren: Die elfköpfige Crew, einheitlich in rotem Ölzeug, hetzt alle paar Minuten übers Deck, reißt an Leinen, dreht an Winschen - begleitet von lautstarken Kommandos. Dirk Neukirchen aus Ratingen, seit Kindesbeinen begeisterter und erfolgreicher Regattasegler, hat soeben mit dem Training auf seiner ,,lot.jonn..." begonnen. Das Schiff stammt frisch aus der dänischen X-Werft, und auch die Crew ist neu zusammengestellt: Erstmals fahren in dieser Saison Profis der internationalen Regattaszene mit. Neukirchen ist es gelungen, acht Geldgeber für dieses Segelprojekt zu begeistern - für deutsche Verhältnisse eine absolute Premiere.

Dirk Neukirchen (links), Gerd Eiermann.

,,Klar zur Halse! - Achterholer los. Der Lee-Barber...!" Gerd Eiermann ist als Taktiker für die Manöver verantwortlich, während Neukirchen die Hochseeyacht am mannsgroßen Steuerrad auf Kurs hält. Mit dem 46-jährigen Duisburger hat Neukirchen einen der erfolgreichsten deutschen Segler an Bord: 37 Mal Deutscher meister, einmal Vizeweltmeister, mit 14 Siegen ungeschlagener König der Kieler Woche, Admirals-Cup-Teilnehmer auf der ,,Container" .


Eiermann führt ein strenges Regiment mit Stoppuhr und Trainingsplan. Jede Wende, jede Halse wird genau dokumentiert: ,,Ziel ist es, bei Manövern möglichst wenig Zeit zu verlieren." Besonders wenn der riesige Spinnaker, das ballonartige Vorsegel, gesetzt, geshiftet oder eingeholt wird, müssen alle mit anpacken, muss die Crew, die an Schoten, Fallen, Toppnanten und Achterholer schuftet, wie ein Uhrwerk zusammenarbeiten. An Land hatte zuvor das Unterwasserschiff mit Fräsmaschine und Spachtelmasse seinen Feinschliff bekommen - jetzt ist die Crew an der Reihe.

Kurz vor der Luv-Tonne: Klar zum Spi-Setzen.

Idee kam beim Segeln mit dem König

Schiffseigner Dirk Neukirchen, der ein Speditionsunternehmen in Langenfeld betreibt, gilt als sehr erfahrener Steuermann bei Hochseeregatten wie Kieler Woche, Copa del Rey Mallorca, Antigua Sailing Week, Rolex Swan Cup. Es war im vergangenen Jahr bei der Königsregatta vor Mallorca, als Neukirchen die Idee hatte, in der neuen 40 Fuß-Einheitsklasse ein professionelles Projekt mit handverlesenen Seglern zu starten. Er wusste: ,,Das geht nicht ohne Sponsoren." Denn allein diese Saison, so schätzt er, dürfte inklusive Bootskauf rund eine Million Mark verschlingen. Er machte sich auf die Suche und wurde fündig: Marinepool saß bereits als Geldgeber im Boot, der Versandhandel Compass stieg als neuer Hauptsponsor dazu und gab den Startschuss. Insgesamt acht Firmen finanzieren inzwischen das Projekt vom Tauwerk über Kleidung und Segel bis hin zu Flügen und Hotel: Das ist in dieser Form einmalig in der deutschen Segelszene - hiesige Unternehmen haben diesen attraktiven Sport noch nicht als Werbeträger entdeckt.

,Wo ist der Edding?" Der Marker ist bei diesem Trainingsschlag ein gefragter Ausrüstungsgegenstand: An Segeln und an den Trimmeinrichtungen werden Markierungen angebracht: Für jedes Segel, für jeden Kurs, für jeden Wind, für jede ,,Welle" (Seegang) müssen die Einstellungen optimiert werden. Ähnlich einem Flugzeugprofil wird der größte Vortrieb nur erzeugt, wenn die Strömungsverhältnisse optimal sind. Dafür benötigt man erfahrene Spezialisten. Die werden jedesmal eingeflogen: Jörn Diercks beispielsweise, Zahnarzt aus Kiel, Rasmus Pichler, Anwalt aus Berlin, Sören Matthiesen, Yachtzubehörhändler aus Hamburg, Andreas Hering, Luxusyachtkonstrukteur aus Bremen. Auch der Niederrhein ist vertreten. Dieter Rinnen, Trimmer und die ,,gute Seele" der munteren Truppe, kommt aus Xanten.
Die ,,lot.jonn..." ist nicht allein auf See. Die ,,Relax", die ebenfalls den Stander des Düsseldorfer Yacht-Clubs fährt, kommt auf. Rennfieber bricht aus. Eiermann ist in seinem Element. Jeder versucht, sich durch schnelle Manöver vor den anderen zu legen, ihm den Wind wegzunehmen.

Navigator Krystoph "Paschi" Paschke.  

,,Fründe lot.jonn..." immer dabei

Mit an der Bord der ,,Relax" des Düsseldorfers Ralf Ehlen: Jürgen Ellenbeck vom Fanclub ,,Fründe lot.jonn...". Bei fast jedem Rennen oder Training sind die sechs Freunde dabei, helfen an Land so gut es geht, schießen Fotos von Bord anderer Boote. Ellenbeck sorgt auch für die Verpflegung (vorzüglich: sein Grünkohl), schließlich betreibt er in eine Bäckerei mit Partyservice.
Doch mit ,,Party" ist es rund um die ,,lot.jonn..." nicht weit her: Alkohol an Bord ist absolut tabu. Nur Rasmus, der Herr der Meere, bekommt nach alter Seemannstradition einen Schluck Sherry (,,Kommodenlack") nach dem Auslaufen. Gerd Eiermann macht keine Ausnahme: Selbst bei Top-Feten wie beispielsweise während der Kieler Woche, schickt er die Crew Punkt Mitternacht in die Kojen. Nur so gewinnt man Pokale. Und die Chancen, in diesem Jahr ordentlich abzuräumen, sind äußerst gut.

Auf der hohen Kante.

Mit der "Probefahrt" geht es ab 2008 weiter

"Probefahrt" war beim DYC-Cup erfolgreich.


Die "lot.jonn" fuhr drei Jahre sehr erfolgreich bei Regatten auf Nord- und Ostee und im Mittelmeer. Vorher war schon der Hauptsponsor ausgestiegen. Leider gibt es in Deutschland noch zu wenig Bereitschaft großer Firmen, sich als Sponsor zu engagieren.

2008 ist Dirk Neukirchen (DYC) wieder in die Regattaszene eingestiegen:
Mit der "Probefahrt" räumte er im Mai 2008 beim DYC-Cup auf dem Ijsselmeer ab. Der Name verrät ein neues Standbein des Speditionsunternehmers: Er hat den Hanse Vertrieb West gegründet.

Seit Anfang 2009 segelt er mit der "lot.jonn...", einer 350 Hanse Race, wieder ganz vorne mit.
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(c) Q-Visions Media Andrea Quaß